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Es war im Jahre 1921, als die Großeltern der heutigen Besitzerin, Ulrike Fessler, aus der Ravensburger Gegend nach Leutkirch kamen. Josefine Fessler war gelernte Hutmacherin und Karl Friseurmeister. Dort, wo heute die Pilsbar "Gogs" ist, stand ein Geschäftshaus, in dessen Räume Karl und Josefine einen reinen Herrensalon eröffneten. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Anneliese, die ebenfalls Friseurin lernte, Karl-Heinz, der auch Friseur lernte und später einen Tabakladen führte, und schließlich 1926 Reinhold Fessler, der den Salon von 1950 bis 1987 inne hatte und ihn dann an seine Tochter Ulrike übergab, die ihn bis heute weiterführt.
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Neues Stadthaus wird gebaut
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In den Jahren 1927/28 wurde das heutige Fessler-Haus von Karl Fessler neu gebaut. Der bekannte Leutkircher Architekt Broeg hat es im Jugendstil entworfen. "Die Leute sagten damals, mein Vater hätte einen Glaspalast gebaut", erzählt Reinhold Fessler schmunzelnd, "nur weil wir vier große Schaufenster hatten." Auf der rechten Seite vom Eingang war nun der Herrenfrisör und auf der linken Seite eröffnete man ein Tabakgeschäft mit einem großen Schild: "Weber-Stumpen". "Ich musste als Kind immer die Stumpen und Zigaretten an Wirtschaften und an Lebensmittelgeschäfte ausliefern. Es gab noch keine Automaten damals." erinnert sich Reinhold Fessler. 1939 wurde seine Schwester Anneliese mit 21 Jahren die erste Friseur-Meisterin von Deutschland, und jetzt endlich konnte das Friseurgeschäft Fessler auch für die Damen einen attraktiven Salon eröffnen. zu dieser Zeit waren Langhaarfrisuren modern, und mit einem heißen Stab wurden Locken oder Wellen geformt. Das Haarschneiden kostete damals bei den Herren nur 50 Pfennig.
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Erst Tabak, dann Pilsbar "Gogs"
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Während des Krieges blieb das Tabakgeschäft geschlossen, und ab 1947 machte sich der Bruder Karl-Heinz Fessler mit einem Tabakgeschäft - Einzel- und Großhandel - im alten "Grogs-Gebäude" selbständig. Als dieses alte Gebäude abgerissen wurde, zog der Tabakladen in die Lammgasse. Karl-Heinz Fessler erfüllte sich später seinen Jugendtraum und eröffnete Anfang der 80er Jahre die Pilsbar "Gogs". Zurück zum Friseurgeschäft. Reinhold Fessler betrieb mit seiner Mutter Josefine und seiner Frau Gerda das Friseurgeschäft weiter, nachdem der Vater 1940 verstorben war. 1950 hatte Reinhold die Meisterprüfung gemacht, und 1960 hatte er schon sieben Angestellte. Die Geschäftsräume wurden total umgebaut und renoviert, sodass ein großer Raum entstand und der Kassenbereich vorne war. Die Herrenabteilung links vom Eingang war nun kleiner, für die Damen gab es mehr Platz. "In den 60er Jahren wurden das Haarfärben und das Blondieren sehr populär. Dauerwellen entstanden mit einer heißen Klammer auf den Wicklern, und das Toupieren war modern", erinnert sich Reinhold Fessler.
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1987 wird der Salon übergeben
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"Gerda, meine Frau, war sieben mal Deutsche Schwimmeisterin und brachte etliche Medaillen nach Hause, die damals alle im Salon aufgehängt wurden", sagt Reinhold Fessler. 1990 verstarb seine Frau, doch es freut ihn, dass seine Tochter Ulrike die Familientradition des Friseurs aufrecht erhält und auch Enkel Lorenz Friseur ist. Ulrike Fessler hatte schon in ihrer Jugend mit der Jugendmannschaft den 3. Platz beim Bodenseepokal im Preisfrisieren errungen und absolvierte 1974 ihre Meisterprüfung als Beste mit Auszeichnung vor der Handwerkskammer Ulm. Zuvor bildete sie sich bei dem damaligen Deutschen Meister im Preisfrisieren weiter. An internationalen Schulungen in Paris und London hat sie teilgenommen und insgesamt 74 Seminare besucht. 1987 hat Reinhold den Salon an die Tochter übergeben, und Mitte der 90er Jahre war wieder eine große Renovierung fällig. Etwas anderes war "in", und Ulrike Fessler investierte viel in ein neues "Geschäfts-Outfit". Sie beschaffte moderne Einrichtungen und Geräte, und eine antike Wandmalerei verziert die Innenräume. "Das Besondere für den Kunden bieten, ein angenehmes Ambiente und ein gut geschultes, freundliches Personal, das ist und bleibt mein Stil", sagt sie.
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Herrensalon "men" war Risiko
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"Es war damals schon ein Risiko, den externen Herrensalon zu eröffnen", sagt Ulrike Fessler und meint das Geschäft "men" auf der gegenüberliegenden Straßenseite. "Doch es war die richtige Entscheidung. Nächstes Jahr werden es schon zehn Jahre, dass es den einzigen, reinen Herrensalon in Leutkirch gibt", meint sie und freut sich, dass Sohn Lorenz in ihre Fußstapfen tritt. Der Salon Fessler hat heute fünf Angestellte, eine Farspezialistin, drei Azubis und im "men" Salon arbeiten zwei Fachkräfte. "Die Trends ändern sich schnell in unserer Branche, da muss man immer up-to-date sein. Heute sind Haarverlängerungen gefragt, wir kennen viele verschiedene Strähnentechniken, es gibt neue Haarfarben wie Inspire und Magma, die sehr innovativ sind. Wir arbeiten nur mit Markenfirmen, und das Personal wird regelmäßig geschult", erklärt Ulrike Fessler. "Ich bin meinem Großvater sehr dankbar für den Bau dieses schönen Geschäfts- und Wohnhauses. Ich denke, das Friseurgeschäft war bis in die vierte Generation nur zu halten, weil jeder Einzelne mutig, fleißig, vorausschauend und kreativ war und ist", ist sie überzeugt. Quelle: Artikel "Aus Friseur- und Tabakladen entsteht ein moderner Damensalon" aus der Lokalen Zeitung "Leutkirch hat was!" Verfasserin: Carmen Notz |
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